ANGRIFF


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Der Key ist für beide Mannschaften ein sehr wichtiger Bereich des Spielfeldes, da er der Torlinie vorgelagert ist. Der Angreifer muß diese erreichen um zum Torerfolg zu kommen: Die Verteidiger versuchen dies zu verhindern, dürfen sich dabei aber nur mit drei Spieler im Key aufhalten. Wenn man davon ausgeht, daß jeder Verteidiger etwa 1m˛ besetzt hält scheint genug Platz zu bleiben um die Verteidigungslinie zu durchbrechen.
Die Angreifer dürfen alle in die Zone einfahren um dort gegen die Beweglichkeit der Verteidiger zu agieren. Doch jeder der einzelnen Angreifer darf sich nur 10 aufeinanderfolgende Sekunden im Key aufhalten. Das verlangt ein hohes Maß an Zusammenarbeit. Nur ein gleichzeitig vorgebrachter, auf einander abgestimmter Angriff führt zum Erfolg. Fährt einer der Angreifer zu früh in den Key, riskiert er, daß der Anfriffsversuch frühzeitig abgebrochen werden muß.
Bild 1
Die Spieler, die in die Zone einfahren haben die Aufgabe eine Lücke für den Ballführer freizublocken, oder soch selbst in eine gute Position für ein Zuspiel zu bringen.
Wird eine Lücke freigeblockt, so ist es wichtig, da´die Angreifer ihre exakte Position einnehmen und nicht ihrerseits die Lücke zustellen.
Dazu Bild 2a und 2b : Bild 2a Sobald ersichtlich ist, daß ein Angriffsversuch nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann, müssen sich die Spieler verständigen und alle den Key wieder verlassen.

Neue und unerfahrene Spieler machen häufig den Fehler die Endlinie zu wenig zu beachten. Jeder Spieler, der die Linie berührt, ist unweigerlich „out of bounds“ und er wird bestraft.
Nur für den Ballführer ist die Endlinie auch Torlinie !! Bild 2b

GRUNDANGRIFF

Voraussetzung für diese Angriffsform sind gut und sicher gestellte Blocks. Die Angreifer versuchen die geplante Durchfahrtslinie des Ballführers freizuhalten. (Gasse)
Indem z.B. ein Flügelverteidiger geblockt wird eröffnet sich eine gute Möglichkeit zum Torerfog zu kommen. (Außenblock)
Bild 3
In einem solide aufgebauten Grundangriff sollte es den Blockern möglich sein an jeder Stelle des Keys eine Lücke zu eröffnen.
Machmal kann der Ballführer einen Verteidiger in eine Position locken, in der er vom Mitspieler besser gehalten werden kann. Die Aufgabe des Ballführers ist es seine Mitspieler dahingehend zu koordinieren, deren Position und deren Verweildauer im Key zu verfolgen. Dann kann er einen Angriff auch abbrechen wenn er merkt, daß sich in der verbleibenden Zeit keine Möglichkeit ergibt die Torlinie zu erreichen.
Die Angreifer dürfen und müssen in den direkten Rollstuhlkontakt gehen, sollten aber den Ballbesitz nicht wegen eines Fouls gefährden.
Diese Art des Grundangriffs ist eine sichere Art zu Punkten, vor allem da kein Paßspiel erforderlich ist. Erst wenn eine Mannschaft diese Art der Lückenbildung sicher beherrscht und jeder Spieler passen und fangen geübt hat, sollte die nächste Angriffsform angegangen werden.

DAS PASSPIEL

Der Gegner wird natürlich versuchen vor allem den ballführenden Spieler anzugreifen, deshalb soll jeder Mitspieler so sicher im Umgang mit dem Ball sein ihm diese Aufgabe abnehmen zu können.
Der Ballbesitz istdie erste Voraussetzung ein Tor zu machen !!

Für ein erfolgreiches Paßspiel müssen zwei Dinge zusammenkommen. Ein gut geworfener Paß und ein sicherer Fänger. Jeder Spieler muß seine Möglichkeiten und die seiner Mitspieler genau kennen. Ein Trainer muß viel Zeit darauf verwenden die Ballsicherheit zu üben.
Während des Spiels muß der Ballführer darauf bedacht sein, die sicherste Möglichkeit zu suchen und eventuell sogar die Taktik ändern oder einen Angriff abbrechen, um den Ballbesitz nicht zu verlieren.
Ein verlorener Ball ist ein geschenktes Tor für den Gegner !!
Je sicherer eine Mannschaft im Umgang mit dem Ball ist, desto mehr kann ein Paßspiel in die Taktik eingebaut werden.
Auch in solchen Angriffsformen muß jeder Spieler seine Aufgabe kennen. Der Ballführer soll möglichst ungehindert werfen, deshalb ist es ratsam, den Chaser von ihm fern zu halten. Ein anderer Mitspieler positioniert sich so in der Zone, daß er einen freien Zugang zur Torlinie hat, aber auch Blickkontakt zu seinem Zuwerfer halten kann. Am besten stellt er sich dafür rückwarts zu seinem Verteidiger. Sieht der Ballführer, daß sich einer seiner Mitspieler in eine gute Position gebracht hat, so fährt er in die jeweilige Ecke, zieht damit den Eckverteidiger mit sich und gibt dann den Paß über den Gegner hinweg.
Bild 4
Folgt ihm der Flügelspieler nicht, kann er das Tor selbst machen. Der Blocker auf der Gegenseite kann den Center zusätzlich am Angreifen hindern. Schlägt dieser Angriff fehl, müssen sich alle Spieler wieder aus der Zone zurückziehen. Doch kann der Ballführer in dieser Situation oft ein Tor machen imdem er schnell die Seite wechselt. Die Verteidigung hat sich nämlich häufig zu sehr auf eine Seite ausgerichtet.
Der Angreifer kann sich nicht nur wie in Bild 4 am Center postieren, er kann dieses Mannöver auch vor dem Flügelspieler versuchen.
Bild 5
Wird der Angreifer vor dem Flügelspieler postiert, ist ein zusätzlicher Blocker erforderlich der den Center -und damit meist den stärksten Verteidiger fernhält.
Als weitere Möglichkeit zum Torerfolg zu kommen, können auch zwei Spieler im Key postiert werden. Jetzt kann sich der Ballführer denjenigen aussuchen der in der besseren Position zu sein scheint. Für diese Taktik ergeben sich zwei Möglichkeiten.
  1. Beide Angreifer stellen sich innerhalb der beiden Flügel auf. Der Ballführer hat jetzt freie Auswahl, aber am besten verzögert er den Paß so lang bis sich der Center für eine Seite entschieden hat.
    Bild 6
    Gelingt ihm das nicht, und greift der Center den Spieler an, der gerade den Ball bekommen hat, so muß der Ballführer seinerseits in den Key fahren, den Rückpaß annehmen und selbst das Tor machen.
  2. Beide Spieler postieren sich um den Center. Der Ballführer kann sich nun die Seite auswählen zu der er fährt um den jeweiligen Mitspieler zu bedienen.
    Bild 7
    Bleibt der Außenverteidiger in seiner Ecke, gibt der Ballführer den Paß, zieht er der Außenverteiduger nach innen zu dem dort postierten Spieler, macht der Ballführer das Tor ohne Zuspiel selbst.
Dieses Spiel kann genau so gut zur anderen Seite durchgeführt werden, doch muß der vierte Angreifer unbedingt den Chaser blocken. Falls dies ein starker Spieler ist, wird es für den einzelnen Blocker schwierig ihn zu halten, und damit seinen Ballführer unbedrängt zu halten. Eventuell muß ein zweiter Angreifer helfen den Chaser zu halten. Doch je stärker der Chaser, desto schwächer die Verteidigung in der Zone. In dieser Situation sollte der eine in der Zone verbleibende Spieler ausreichen, um zum Torerfolg zu gelangen. Bei einem gut geblockten Chaser kann der Ballführer unbedrängt werfen und der Angreifer hat eine so starke Verteidigung gegen sich, in der er sich gut postieren kann.
Aus diesen beschriebenen Standartangriffen können viele Variationen entwickelt werden. Jede Mannschaft muß durch häufiges Zusammenspiel herausfinden, mit welchen Taktiken sie am erfolgreichsten ist.
Voraussetzung dafür ist natürlich immer eine solide Grundlage und konstantes üben der individuellen Fähigkeiten.
Nur im Wettkampf lassen sich die wirklichen Erfolge der einzelnen Taktiken und des Trainings überprüfen.

DURCHBRECHEN DER PRESSE

Versucht die verteidigende Mannschaft den Einwurf des Gegners zu stören und übt Druck aus, so nennt man dies Presse. Das Ziel ist es den Gegner zu Fehlern zu zwingen und damit den Ballbesitz zu erlangen. Für die Verteidigung gibt es drei Möglichkeiten:
  1. Sie schafft es den Einwurf länger als 10 Sec. zu verzögern. Sie nutzen die Feldüberlegenheit von Vier gegen Drei und decken die Mitspieler des Einwerfers so gut ab, daß dieser nicht zum Einwurf kommt. Der Ballbesitz wechselt.
  2. Die Verteidigung versucht einen Fehlpaß zu erzwingen um mit dem erworbenen Ballbesitz ein schnelles Gegentor zu erzielen. Dazu bestehen gute Möglichkeiten, denn die dann verteidigende Mannschaft hat sich nicht in der Zone aufstellen können.
  3. Der angreifenden Mannschaft gelingt es nicht den Ball in den vorgeschriebenen 15 Sec. aus dem eigenen Rückfeld zu befördern. Der Ballbesitz wechselt.


Eine gute Presse zwingt den Gegner zu häufigem Paßspiel und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit eines Ballverlustes.
Das erfahrenere Team wird eher versuchen die unerfahrenere Mannschaft zu pressen, da Anfänger nicht die Routine und Ballsicherheit haben um mit diesem Druck umzugehen.
Es ist also die Aufgabe der Angreifer diese Presse zu durchbrechen, wobei erst einmal der Eiwurf erfolgreich durchgeführt werden muß.
Der Schiedsrichter beginnt die 10 Sec. zu zählen wenn er den Ball dem einwerfenden Spieler gegeben UND gepfiffen hat. Dieser Pfiff gibt gleichzeitig den Rollstuhlkontakt der Feldspieler frei. Die Verteidiger werden sofort versuchen die Angreifer mit ihren Rollstühlen festzuhalten, damit sie sich nicht für den Einwurf anbieten können. Die Angreifer sollten ihrerseits versuchen die Spieler des Gegners mit den hohen Punkten durch eigene Spieler mit weniger Punkten zu blocken. Durch ein geschicktes Stellungsspiel bekommt der Spieler mit der geringeren Punktzahl eine entscheidende Aufgabe.
Im nachfolgenden Bild sind die Positionen der Spielstärke nach durchnumeriert. Der stärkste Spieler erhält die Nummer 1 ...

Nummer 1 wird von Nr. 1 und 3 des Gegner geblockt, und nutzt seinen eigenen Mitspieler (Nummer 3) als Block für Nr. 1 des Gegners.
Nummer 3 versucht diesen Block lang genug zu halten, gelingt das nicht , so bietet er sich eventuell selbst dem Einwerfer an.
Nummer 4 hat hier die Aufgabe den gegnerischen Nr. 4 Spieler davon abzuhalten den Spieler Nummer 1 anzugreifen. Bild 8
Eine andere wichtige Aufgabe für die Nummer 4 kann es sein den Ball kurz anzunehmen, und ihn der Nummer 2 zurück zupassen, sobald dieser auf dem Spielfeld ist (Doppelpaß!): Bild 9
Nachdem der Ball eingeworfen ist, muß er innerhalb von 15 Sec. aus dem Rückfeld heraus transportiert werden. Je nach Spielerkonstellation und Spielsituation wird entweder der Ballführer von seinen Mitspielern freigeblockt oder der Ball per Kurzpaßspiel bis zur Mittellinie transportiert. Hat sich ein Spieler von seinem Verteidiger lösen können, kann dieser kann dieser auch mit einem langen Paß zu Torerfolg geschickt werden.
Am besten sind die Torchancen wenn sich die Verteidiger noch nicht in die Zone zurückziehen konnten. Steht die Verteidigung bereits im Key haben die Angreifer alle Zeit der Welt einen koordinierten Angriff vorzubringen. Dazu sollten sie sich absprechen und die Aktionen aufeinander abstimmen.
Als Übung kann das Durchbrechen einer Presse gegen sehr starke Gegner, die auch mit Paraplegikern oder Nichtbehinderten besetzt sein kann, geschult werden. So kann sich die Mannschaft optimal auf starke Pressen vorbereiten.
Die Fähigkeit eine Presse durchbrechen zu können, kann spielentscheident sein und sollte vor allem vor Turnieren verstärkt trainiert werden.

ÜBERZAHLSPIEL

Durch ein Foul eines Gegners kommt die angreifende Mannschaft in die Situation einen Angriff mit Vier gegen Drei spielen zu können, da der Verteidiger zur Strafe eine Minute in die Box muß.
Wann auch immer diese Situation auftritt sollen die Angreifer dies bestmöglich ausnutzen. Die Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Strafzeit von einer Minute sollte bei eigener Führung ausgespielt werden, denn in dieser Zeit kann der Gegner selbst kein Tor erzielen. Also wird der Angriff so lang herausgezögert, daß ein Tor erst kurz vor Ablauf der Strafzeit fällt.
Sitzen sogar zwei Gegner in der Box, wird das erste Tor eher schnell ausgespielt, um möglichst viel Zeit zu haben den Ballbesitz, der nach dem Tor dem Gegner zugesprochen wird, noch in Überzahl zurückzuerobern.
Eine routinierte Mannschaft sogar versuchen ein Penalty Goal zu provozieren, damit der Gegner in der Box bleiben muß.

UNTERZAHLSPIEL


Da ein Foul eines Angreifers nicht mit der Strafbank sondern mit wechselndem Ballbesitz bestraft wird, ist die Situation der Unterzahl im Angriff sehr selten. Trotzdem soll die Mannschaft darauf vorbereitet sein.
Zieht sich die Verteidigung in die Zone zurück, wird versucht die Minute unbeschadet auszuspielen und den Angriff auf die Torlinie erst vorzunehmen wenn die Mannschaft wieder vollzählig ist.
Doch die Verteidiger werden meist versuchen eine offene Verteidigung zu spielen und die Angreifer unter Druck zu setzten.
Liegt das Spielgeschehen im Rückfeld gilt es innerhalb der 15 Sec über die Mittellinie zu gelangen, liegt das Spielgeschehen bereits im Vorderfeld gilt es den Ballbesitz zu sichern. Das Spiel richtet sich also nicht unbedingt auf den Torerfolg aus, sondern einzig und allein auf den Ballbesitz. Torchancen ergeben sich eher zufällig, was nicht heißt, daß sie nicht genutzt werden sollen.
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